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FAQ's

Kann man die Rauschbrille auch als Privatperson kaufen?
Die Rauschbrillen werden aus Sicherheitsgründen nur an Institutionen bzw. für den professionellen Einsatz abgegeben. Privatpersonen, die die Methode ehrenamtlich anwenden möchten, haben die Möglichkeit, Rauschbrillen bei ihrer Stadt- bzw. Gemeindeverwaltung, Drogenberatung, Polizeibehörde, Jugendfeuerwehr oder Krankenkassen auszuleihen.
Die Drogenhilfe Köln hat in ihrem Förderungsbereich ein kostenloses Brillenverleihprogramm organisiert.

Ist das, was man durch die Rauschbrillen sieht, übertrieben?
Dieser Einwand wird häufig erhoben und ist auch berechtigt. Alkohol beeinflusst alle Körperfunktionen. Besonders das Gehirn mit allen Wahrnehmungs- und Steuerungsfunktionen wird in Gänze beeinflusst. Um so starke Rauschbeeinträchtigungen wie Verwirrung, Gleichgewichtsstörungen, gestörtes Nähe-Distanz-Erleben usw. ausschließlich über eine optische Beeinträchtigung durch Rauschbrillen zu simulieren, muss die Wahrnehmung durch die Brillen zwangsläufig stärker als erwartet oder bekannt ausfallen. Daher sind Ergebnis und Leistungen für den Einzelnen bei den Übungen trotzdem realistisch und entsprechen den Veränderungen der persönlichen Leistungsfähigkeit unter der angegebenen Promillezahl. Besonders Zuschauer gewinnen praktisch immer den Eindruck, betrunkene Personen zu beobachten.

Wie kann man wissen, ob die Rauschbrillen wirklich die korrekte Blutalkoholkonzentration (BAK) simulieren?
Für die Benutzer kann die Rauschbrillensimulation nur eine Annäherung an eine wirklich vorhandene Blutalkoholkonzentration darstellen. Die Simulation bezieht sich auf die Darstellung einiger Rauscheffekte, wie sie in einer BAK-Abstufung in der Fachliteratur zu finden sind. Manche Effekte wie z.B. das „Lallen“ können durch eine rein optische Irritation nicht erzeugt und dargestellt werden.

Die tatsächliche Blutalkoholkonzentration ist ein individuelles Geschehen und von vielen Faktoren abhängig. Medizinische Eckdaten wie Geschlecht, Lebensalter, Zustand der Leber, Anzahl bestimmter Leberenzyme, Menge der Körperflüssigkeit, Muskelmasse (mit dem entsprechenden Wassergehalt), Größe und Gewicht sind letztlich alle an der Konzentration von Ethanol im Blut mitbeteiligt und einflussnehmend.

Hinzu kommt, dass die Wirkung von Ethanol auf die Psyche sehr davon abhängig ist, ob und in welchem Maße sich bei Konsumenten dieser Rauschdroge eine, durch häufigeren Konsum gebildete, Toleranzentwicklung eingestellt hat. Dies gilt im Übrigen für alle psychotropen Substanzen.
Die BAK-Angaben für Rauschbrillen stellen somit eine Faustformel dar, ähnlich der Angaben zum risikoarmen Alkoholkonsum in der Suchtmedizin (täglicher Alkoholkonsum in g) wie auch bei der Faustformel für die Verstoffwechselung von Alkohol (0,1-0,15  Promille/Stunde). All dies sind reine Schätzwerte und haben auf das Individuum bezogen nur eine beschränkte Aussagekraft.


Können die Rauschbrillen auch für die Rauschsimulation anderer, illegaler Drogen eingesetzt werden?
Die Rauschbrillen wurden zur Alkoholrauschsimulation entwickelt. Lediglich die Auswirkungen von Cannabis können mit den Alcopopbrillen (Simulation ca. 0,8 Promille BAK) nachempfunden werden.
Zum Thema Cannabis und Fahrtüchtigkeit beschreiben Studien und Untersuchungen der Universität Maastricht von 1993 und 1994 klare Beeinträchtigungen im Straßenverkehr.

„Man fährt nie sicher, wenn man Marihuana geraucht hat. Wir haben bewiesen, dass selbst bei kleinsten Dosen die Fahrleistungen schlechter werden. Ein normaler Joint verursacht Beeinträchtigungen, die ähnlich sind wie bei 0,8 Promille. Es geht nicht darum, ob man bekifft noch sicher fahren kann. Die Frage lautet vielmehr, wie schlecht man fährt, wenn man gekifft hat.“
(Zitate aus einer niederländischen Untersuchung von H.W.J. Robbe: Influence of Marihuana on Driving, Maastricht University, Institute for Human Psychopharmacology, 1994)

Wenn wir also davon ausgehen, dass Cannabis einen negativen Einfluss auf koordinierte Handlungen (Hand, Auge, Gehirn) hat, was Untersuchungen aus der Arbeitswelt bestätigen, dann weisen Übungen mit der Alcopopbrille auf solche Fehler und erhöhte Unfallgefahren hin.

Viele junge Leute haben Spaß mit den Brillen. Ist das nicht der Prävention abträglich?
Es kommt vor, dass Teilnehmer der Übungen verunsichert reagieren. Dies wird zum Teil mit Lachen überspielt. Zur Reflexion bietet sich hier eine Auswertungsrunde an.

Auch die Zuschauer erleben starke Verhaltensänderungen bei den Teilnehmern der Übungen. Sie haben den Eindruck von Personen, die unter Drogeneinfluss handeln. Die hierbei entstehende Komik ist als Demonstrationseffekt durchaus erwünscht und unterhaltsam. Wichtig ist jedoch, den ernsten Hintergrund der Aktion nicht aus dem Blick zu verlieren. Hilfreich ist, zu Beginn bereits Sachinformationen zum Thema Alkohol zu vermitteln.

Wie viele Rauschbrillen sind notwendig?
Die Gruppengröße ist ein wichtiger Faktor. Bei Aktionen mit Schulklassen mit nur einer Brille können nur sehr disziplinierte Teilnehmer beschäftigt werden. Viele müssen zusehen und länger auf die eigene Erfahrung warten. Hier gilt es, Gruppen zu bilden und noch andere, erlebnisorientierte Angebote zu machen.
Bei der Seminararbeit mit einer Gruppengröße von bis zu 15 Teilnehmerinnen haben wir mit zwei Rauschbrillen gute Erfahrungen gemacht. Bei Aktionen mit Schulklassen setzen wir bis zu 6 unterschiedliche Rauschbrillen ein. Neben der Alkohobrille und der Alcopopbrille nutzen wir die Alkohol-Nachtversion und die Alcopop-Nachtversion sehr gerne, um Fahrten im Dämmerlicht oder in der Dunkelheit mit KettCar, Sackkarre oder anderen Fahrzeugen zu simulieren. Mit der Restalkoholbrille lässt sich bei älteren Teilnehmern auch sehr gut die Problematik von Restalkohol fokussieren.

Stimmt es, dass Jugendliche immer mehr Alkohol konsumieren?
Bis zu 5 Millionen Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 15 und 25 Jahren konsumierten zu früh zu große Mengen an Alkohol und Drogen. Damit besteht eine Suchtgefährdung bei fast jedem vierten jungen Menschen in Deutschland.
Sie tragen ein hohes Risiko, später alkohol- oder drogenabhängig zu werden.
Das Einstiegsalter für Tabakkonsum liegt bei 11,6 Jahren und für Alkohol bei 12,1 Jahren.  Alkohol- und Drogenexzesse bei Minderjährigen haben nach neuesten Zahlen zugenommen. Diese Entwicklung ist besonders problematisch, da sich eine Abhängigkeit im Jugendalter sehr viel schneller entwickeln kann. Es gilt als erwiesen, dass Alkohol und Tabak bei unter 14-Jährigen auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, illegale Drogen zu konsumieren.
Quelle: Jost Leune (Geschäftsführer des Fachverbandes Drogen und Rauschmittel (fdr), Bundes-Drogen-Kongress April 2007

Gibt es eine reale Abhängigkeitsgefahr bei Jugendlichen?
Durch wiederholtes heftiges Rauschtrinken haben Jugendliche ein deutlich erhöhtes Risiko eine Alkoholabhängigkeit zu entwickeln. Amerikanische Studien zeigen, dass Kinder und Jugendliche, die vor dem 15. Lebensjahr beginnen, regelmäßig Alkohol zu trinken, im Vergleich zu Jugendlichen, die erst ab 20 Jahren regelmäßig trinken, ein vierfach erhöhtes Risiko haben, eine Alkoholabhängigkeit zu entwickeln.
Quelle: Deutsches Ärzteblatt/Jg.106/Heft 19/08.05.2009
Thomasius et. al. berichten, dass bereits 4% aller 16- bis 17-jährigen Jugendlichen von der Diagnose Alkoholanhängigkeit betroffen sind.
Quelle „Wenn Jugendliche trinken“, Thomasius, Häßler, Nesseler, Trias Verlag, 2009

Was sind Signale für Abhängigkeitsgefahr bei Jugendlichen?
Alkoholabhängigkeit gibt es bei Jungen und Mädchen gleichermaßen, unabhängig aus welcher gesellschaftlichen Schicht sie kommen. Ihr Problem entsteht oft unbemerkt über Jahre.
Signale von Abhängigkeitsgefahr können sein, dass die Jugendlichen drei bis vier Mal in der Woche Alkohol trinken und ihre Tagesplanung auf den Alkoholkonsum ausrichten. Durch Schulschwänzen können ihre Leistungen in der Schule einbrechen und sie fangen an, Interessen und Freunde zu vernachlässigen. An anderen Dingen haben sie kein Interesse mehr. Anstrengungen lohnen sich nicht mehr, Selbstständigkeit und Ehrgeiz werden unterdrückt. Diesem psychischen Abstieg folgt durch keine oder schlechte Leistungen in Ausbildung oder Schule schnell auch die gesellschaftliche Ausgrenzung. Wachsender Kummer und Sorgen werden mit Alkohol bekämpft, der Teufelskreis beginnt.